Harz am Meer

Auch der folgende Artikel stammt aus dem Bereich “Urzeitliches” Los geht es:

Das ist zwar schon eine lange Zeit her, besser gesagt vor ca. 255 Millionen Jahre (Erd-Altertum / Perm), aber damals lagen z.B. Bad Sachsa und Seesen an einem Ur-Meer, das Zechsteinmeer. Das Land wurde später durch die Bewegungen der Kontinente gefaltet (Gebirgsauffaltung) und irgendwann entstand das was wir heute den Harz nennen. Im Süden erstreckt sich heute ein langes (Gips-)Karstgebiet das als Zeuge jener Zeit noch heute präsent ist. Gipsablagerungen, Höhlen und nicht zuletzt der Fund eines Dinosauriers 1998/99 bei Goslar lassen die Urzeit lebendig werden. Bei diesem Dino handelt es sich um einen kleinen Vertreter der Sauropoden. Diese waren die größten Landlebewesen und Pflanzenfresser und wurden um die 30 Meter groß. Der aus dem Steinbruch Langenberg bei Goslar (Oker) hatte aber “nur” eine Größe von 6 Metern. Das kam wohl daher, dass er im Meer auf einer vorharzlichen Insel lebte und so nicht die Größe erreichte die seine Verwandten auf dem Festland hatten.

Bild:Europasaurus holgeri“, Naturhistorisches Museum Braunschweig

Das Klima war übrigens subtropisch und die Umgebung glich eher den heutigen Bahamas. Das heutige Europa lag damals (im Zeitalter Perm) am Äquator und der Harz zwischen den Erdteilen Laurasia (nördlich vom Äquator) und Gondwana (südlich vom Äquator) auf dem Superkontinent Pangäa. Dieser sollte später auseinanderdriften und die heutigen Erdteile bilden. Der Superkontinent war umgeben von einem großen Ozean in dem Korallen, Ammoniten (Kopffüßer) und große Einzeller lebten. Amphibische Tiere, wie der Panzerlurch, lebten in Gewässernähe. Andere Arten verließen die Wassernähe und entwickelten sich zu Reptilien. Die Pflanzenwelt war geprägt durch ein Vordringen der Nadelbäume und einem Rückgang der Rindenbäume.

Bild: Karte Pangäa
Zum Thema Karstgebiet gibt es bei Wikipedia folgende Infos:
“Unter Karst versteht man in der Geologie  und Geomorphologie unterirdische und oberirdische Geländeformen in Karbonatgesteinen (zum Teil auch in Sulfat- und Salzgesteinen), die vorwiegend durch Lösungs- und Kohlensäureverwitterung sowie Ausfällung von biogenen Kalksteinen  und ähnlichen Sedimenten mit hohen Gehalten an Calciumcarbonat (CaCO3) entstanden sind. Hauptmerkmal ist der überwiegend unterirdische Wasserhaushalt, der nicht auf einer primären Porosität  des Gesteins beruht, sondern vielmehr sekundär durch den in geologischer Zeit stattfindenden Prozess der Verkarstung (=Korrosion) bedingt wird.”Für alle die sich das mal anschauen möchten: Es gibt einen “Karstwanderweg“, Kartenmaterial im Handel und Ausschilderung vor Ort inbegriffen. Für den ganzen Weg sollte man etwas Zeit mitbringen. Er umfasst knapp 250 km Wegstrecke. Aber ein Teilstück im Bereich Osterode, Herzberg, Bad Lauterberg, Bad Sachsa reicht für eine erste Erkundung auch aus. Alle Infos und weitere Museen, Bergwerke und Höhlen, sowie eine Übersicht der Teilstrecken bekommt man auf der Seite www.karstwanderweg.de . Es empfielt sich sicher eine geführte Wanderung zu unternehmen um auch über das Gesehene ausreichend informiert zu werden.
Bild: Karte Karstgebiet
An vielen Stellen im Harz kann man sich auch “Wollsackverwitterungen” anschauen. Dabei stellen z.B. Granitbrocken den Kern dar. Das Gestein drumherum fiel einem subtropischen Klima zum Opfer und wurde von der Natur abgearbeitet. Zu sehen ist soetwas beispielsweise in der Nähe vom Oderteich/Odertal. Ein anderes urzeitliches Überbleibsel sind die Höhlen. Im Südharz bei Walkenried gibt es seltene “Zwerglöcher“. Es sind eigentlich “Quellungshöhlen“, also blasenartige Hohlräume unter Gips und Anhydritschichten. Anhydrit (ein Mineral aus der Mineralklasse der wasserfreien Sulfate) wird in Gips gewandelt und dabei wölbt sich die Höhle nach außen. Größere Höhlen im Harz, z.B. die Einhornhöhle, kann man auch begehen. In solchen Höhlen lebte zu Urzeiten der Höhlenbär der in der prähistorischen Harzregion sehr verbreitet war. Von ihm wurden auch zahlreiche Knochen gefunden.
Bild: Einhornhöhle
In Bad Sachsa gibt es das NatUrzeit-Museum. Man erfährt dort sehr viel über die Landschaft im Harz/Südharz. Weitere Informationen gibt es auf der Seite des Museums: www.naturzeitmuseum.de . Dort erfährt der Besucher das der Ravensberg bei Bad Sachsa die Reste eines urzeitlichen Vulkans sind und das bei Ellrich die wohl älteste Gleitflugechse in der Evolution gefunden wurde. Weiterhin kann man sehen welche Großsäuger zum Eiszeitalter im Südharz lebten und vom Menschen ausgerottet wurden. Darunter ist z.B. das Wollnashorn, der Auerochse, der Riesenhirsch, das Mammut und viele mehr. In diesem Zeitalter entstanden auch die tiefen Harztäler.
Bild: NatUrzeit-Museum Bad Sachsa
 Weitere Orte für Prähistorisches in Niedersachsen sind der Elm und die Asse (in der habe ich auf Wanderungen als Kind selber nach Fossilien gesucht – und auch gefunden), das Steinhuder Meer bei Hannover und das Gebiet um den Dinosaurier Park Münchehagen (auch in der Nähe vom Steinhuder Meer gelegen). Der Park bietet eine gute Übersicht über die verschiedenen Dinosaurier und zeigt z.B. Fährten die kleine und große Dinos im heute steinernen Boden hinterlassen haben. Ausgrabungen finden dort auch statt. Auf dem ganzen Gelände verteilt stehen Dinosaurier-Repliken in Originalgröße im Grünen. Wer mal schauen möchte wie klein er oder sie gegen einen T-Rex ist sollte da mal hinfahren.

Diese beiden folgenden Fossilien besitze ich selber und habe sie mit den Makrolinsen und dem Ringblitz fotografiert. Es handelt sich hierbei um echte Fossilien die ca. 240 Millionen Jahre alt sind und in Brasilien und Utah gefunden wurden. Die Abdrücke sind 2,5 cm und 4 cm groß und daher noch bezahlbar (je unter 10 Euro). Bei größeren Stücken muss man schon ein paar hundert oder gar tausend Euro anlegen.

Bild: Trilobit
Bild: Knochenfisch, Brasilien
Für alle die selber mal stöbern möchten hier einige Links zum Thema:
www.lbeg.niedersachsen.de
www.harzarchaeologie.de
www.planet-wissen.de
www.trilobita.de
www.dinopark.de
Eine der besten Übersichten von der Entstehung des Harzes gibt es, meiner Meinung nach, auf folgender Seiten:
www.harz-geschichte.de
www.naturzeitmuseum.de